Interkulturelle Mediation – ein Bericht von unserer Inklusionsbeauftragten Claudia Torbecke

Der November begann für mich nicht grau, sondern sehr golden mit einer einzigartigen Fortbildung für interkulturelle Mediation. Quasi mit dem goldenen Ticket in der Hand machte ich mich auf den Weg in eine Stadt, in die ich sonst nie gefahren wäre, St. Étienne im Osten Frankreichs.

Die Anreise führte mich zu einem Zwischenstopp in das Bundesland, in dem ich auch noch nie gewesen war, das Saarland. Ab dort hatte sich die Mitfahrgelegenheit einer weiteren Teilnehmerin bis Metz angeboten. Zusammen zu sein ist immer besser als moi toutes seule (mutterseelenallein), denn während der gemeinsamen Zugfahrt – durch die goldene Herbstlandschaft – begannen wir direkt unsere Seminarinhalte aus dem letzten Jahr zu wiederholen. Dank der konzentrierten und gut nachvollziehbaren Skripte waren wir schnell wieder im Thema und fit für die bevorstehende Woche.

In der Herberge angekommen, stießen wir auf die weiteren Personen unserer Fortbildung, überwiegend ebenfalls aus dem vergangenen Modul bekannt. Es war ein fröhliches Wiedersehen und schnell stellt sich die bekannte konstruktive Vertrautheit ein. Diese positive Atmosphäre sollte uns in den nächsten Tagen erfolgreich durch die bevorstehenden Lerninhalte und Übungen tragen, sowie auch das Zusammenleben in der spartanischen Unterkunft enorm vereinfachen. Andererseits: Bestimmt wäre sonst alles durch eine kleine Mediation schnell geklärt worden, denn dafür waren wir ja da😉

Anstelle wirklicher Konflikte erprobten wir die theoretischen Inhalte anhand von Beispielfällen. Die Tage waren damit gut gefüllt. Alles erforderte viel Aufmerksamkeit, Kreativität zur Ideenfindung und auch die Eigenreflektion. 

Unsere heterogene Gruppenzusammensetzung ermöglichte da einen sehr vielfältigen Austausch und Perspektivwechsel zwischen den Altersgruppen, Nationalitäten, sowie Lebens- und Berufserfahrungen. Je nach Konstellation wurde Französisch oder Deutsch gesprochen und zum Glück stand auch stets eine Dolmetscherin zur Verfügung.

Außer dieser intensiven Zusammenarbeit durfte ich in dieser Woche noch weitere goldene Momente außerhalb des Tagungsprogramms erleben. Dies war direkt zu Beginn die Begrüßung unserer Gruppe durch die Mitglieder vom Club Franco-Allemand in St Étienne. Herzlich und offen ergaben sich nette Gespräche. Wir erfuhren genauere Details über die Stéphanois, so nennen sich die EinwohnerInnen St Étiennes, welche wiederum die Grüne Stadt genannt wird. Einen immensen Stellenwert hat der Fußballverein Asse, das hatte man schon auf den ersten Blick erkannt, denn unsere Bekannten waren ganz lokalpatriotisch „Verts et fiers“ (grün und stolz) gekleidet erschienen.

Extra für uns arrangierte der Vize-Präsident für unseren freien Mittwochnachmittag eine Führung in dem Haus ohne Treppen. Da dies Mehrfamilienhaus von Privateigentümern ist, ist es eigentlich nicht so einfach für die Öffentlichkeit zugänglich. Ausführlich wurde uns von zwei Bewohnern die architektonische Bauweise und der geschichtliche Kontext erklärt. Goldener Abschluss dieser Begehung war, als wir alle sogar noch auf das gemütliche Sofa (und umzu) in deren Wohnung durften und in einer ganz familiären Runde beisammensaßen.

Drei Tage später hieß es leider wieder auf Wiedersehen. Aber eigentlich sagten wir uns frohen Mutes au revoir, hatten wir uns inzwischen doch so gut vernetzt (Coeur d´Or), dass es zahlreiche Gründe gibt, miteinander in Kontakt zu bleiben, beruflich als auch privat und das ist Gold wert.